Zum Hauptinhalt springen

artour

artour
MDR Fernsehen logo
Fr, 25.09.2026 | 02:25 - 02:55

Kultur (D 2026)

"Ich habe es irgendwo versteckt" – Vaclav Havels verschollene Erinnerungen erscheinen erstmals auf Deutsch 1977, knapp zehn Jahre nach dem "Prager Frühling" – jener Reformbewegung, die 1968 in der CSSR einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" schaffen wollte – waren im Land alle Hoffnungen restlos erstickt. Der Aufbruch 1968 war mit Hilfe sowjetischer Panzer niedergeschlagen worden. Seitdem herrscht ein Klima der Einschüchterung und Angst. Doch ein paar hundert mutige Bürger aus allen Ecken des Landes begehren abermals auf. Sie schreiben die "Charta 77". In dieser Erklärung fordern sie die kommunistische Regierung auf, die Menschenrechte zu achten. Die Staatsmacht reagiert darauf mit Schikanen, Verhaftungen, Ausbürgerungen. Der tschechische Dramatiker Vaclav Havel, der zu den treibenden Kräften der "Charta 77"-Bewegung gehört, kommt ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung, im Herbst 1977, verfasst er eine fast 100seitige Reportage, in der er sich an die ersten Stunden nach der Erklärung der Charta 77, die darauffolgenden Ermittlungen und seine viermonatige Untersuchungshaft erinnert. Aus Sorge vor neuen Schnüffeleien der Staatssicherheit versteckt er das Manuskript. Jahre später hat er vergessen, wo. 1989, nach dem Ende des Kommunismus, wird Havel erster Staatspräsident der Tschechoslowakei und später ab 1993 für 10 Jahre Präsident Tschechiens. Erst 2016, fünf Jahre nach seinem Tod, werden Havels Notizen über jene Zeit zufällig entdeckt. Herausgegeben vom Mitteldeutschen Verlag, erscheinen sie nun unter dem Titel "Ich habe es irgendwo versteckt" erstmals in deutscher Sprache. Ein humorvolles, aufrüttelndes und kompromissloses Zeugnis über Selbstachtung, Widerstand und das Spiel mit dem Teufel. Simson – die Geschichte eines Mopeds Vor zwei Wochen hätte ihn fast die Kriminalpolizei festgenommen. Der Schriftsteller Aron Boks stand gerade in Suhl vor der Wohnungstür einer alten Dame, die er zu ihren Erinnerungen an die Arbeit in den volkseigenen Simson-Werken befragen wollte, als die Handschellen klickten. Die Frau dachte, Boks sei gekommen, um sie mit dem Enkeltrick hereinzulegen, und hatte sicherheitshalber die Polizei verständigt. Umso größer war die Erleichterung, als sich alles aufklärte. Das Interview, erzählt Boks, wurde dann eines der ergiebigsten für sein Projekt "FREIHEIT: SIMSON", ein Theaterstück, das in zwei Wochen im Kultursaal der ehemaligen Simson-Werke zur Uraufführung kommt. Boks hat die Geschichte des Werks recherchiert und mit hunderten Zeitzeugen gesprochen, die zum Teil auch in der Inszenierung auftreten: als Bürgerchor. "artour" war mit Aron Boks unterwegs, in Suhl bei den allerersten Proben zum Stück und in Halle, wo er gerade Stadtschreiber ist und auf der Suche nach Objekten, mit denen Menschen etwas Besonderes verbinden. Die Premiere von "FREIHEIT: SIMSON" ist am 2. Oktober "Was tun wir. Bilder in Zeiten zerfallender Gewissheiten" – Die renommierte Agentur Ostkreuz zeigt Arbeiten aus 35 Jahren in Dresden "Was tun wir" heißt die Ausstellung der Fotografenagentur Ostkreuz in der Dresdner Robotron-Kantine. Tobias Kruse, einer der Fotografen, hat seine eigene Antwort darauf, was ein Bild heute leisten muss: "Ein Bild ist gut, wenn es mehr ist als das, was es zeigt." In seiner Serie "Ära" erzählt er von Klimawandel, Krieg und Kinderalltag – in ungewöhnlich schöner Farbigkeit statt in grauen Trümmerbildern. Ganz anders nähern sich seine Kolleginnen Anne Schönharting und Linn Schröder der deutschen Teilung: Mit einer Therapeutin stellten sie Ost- und Westdeutschland als Familienaufstellung dar und fotografierten die Szenen an der Bernauer Straße. "artour" hat mit beiden gesprochen – und mit der Kuratorin Christiane Mennicke-Schwarz über die Konzeption dieser großen Fotoschau. Film "Ein Nobody gegen Putin" In russischen Schulen ist die Erziehung zum loyalen Staatsbürger längst oberstes Ziel. Geschichte wird verzerrt, Propaganda ersetzt kritisches Denken. "Kriege werden nicht von Befehlshabern gewonnen, sondern von Lehrern", so Wladimir Putin. Wie sich Russlands Schulen nach der Invasion in die Ukraine 2022 verändert haben, zeigt der Dokumentarfilm "Mr. Nobody against Putin" – "Ein Nobody gegen Putin", der am 24. September ins Kino kommt. Regisseur Pavel Talankin, der mittlerweile im Exil lebt, spricht über seinen Film. Kulturkalender

Thema
  • "Ich habe es irgendwo versteckt" – Vaclav Havels verschollene Erinnerungen erscheinen erstmals auf Deutsch.
  • Simson – die Geschichte eines Mopeds.
  • "Was tun wir. Bilder in Zeiten zerfallender Gewissheiten" – Die renommierte Agentur Ostkreuz zeigt Arbeiten aus 35 Jahren in Dresden.
  • Film "Ein Nobody gegen Putin".
  • Kulturkalender.
Moderation