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Druckfrisch

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So, 13.09.2026 | 23:35 - 00:05

Literatur (D 2026)

Dörte Hanse – "Broder" (Penguin): Ein großer Landwirtschaftsroman, ein Brüder-Drama, eine Milieustudie norddeutscher Befindlichkeit: All das ist das neue Buch von Dörte Hansen. Broder hat Pech gehabt. Als jüngerer Zwilling ist er ein paar Minuten zu spät auf die Welt gekommen, um den großen Milchviehbetrieb seiner Eltern an der norddeutschen Küste zu erben. Höfe werden nach alter Tradition an den ältesten Sohn weitergegeben. Und so führt Henning den Bauernhof der Familie fort. Broder – dessen Name nicht zufällig auf Plattdeutsch nur "Bruder" bedeutet – geht leer aus. "Ertrag kommt von Ertragen", sagt eine Weisheit der Familie, dessen konventioneller Betrieb zu kämpfen hat mit EU-Düngeverordnungen, Haltungsauflagen und dem wachsenden Druck der Bio-Bewegung. Autorin Hansen taucht tief ein in norddeutsche Land-Befindlichkeit und entwirft ein fulminantes Panorama kriselnder Landwirtschaft, aber auch eine moderne Kain und Abel-Geschichte, die nur tragisch enden kann. Dora Kaprálová – "Die Mariborhypnose" (mikrotext): Die Autorin Dora Kaprálová erkundet die Welt aus der Perspektive einer Stubenfliege. Ihr Roman hat 2026 den Europäischen Literaturpreis erhalten. Einen literarischen Baedeker soll sie schreiben, so der Auftrag ihres Verlags. Doch als die Erzählerin den unterkühlten Flix-Bus nach Maribor besteigt, gerät sie wie in eine Zeitschleuse. Der Beginn ihrer "Mariborhypnose". Die Eindrücke, die in der slowenischen Stadt auf sie einprasseln, verschwimmen: die Klänge des Heavy Metal Festivals, der Puppenspieler an der Straßenecke, die alten Weinreben, das Schwimmbad an der Drau. Wie eine Stubenfliege mit ihren Facettenaugen saugt sie die Eindrücke gleichzeitig ein. Kunstvoll verwebt die tschechische Schriftstellerin Dora Kaprálová diese moderne Städtereise mit der Legende über den Illusionisten und Hypnotiseur Leo Svengali, die sich die Bewohner von Maribor bis heute erzählen. Es ist, als würde er die Stadt noch immer in Trance versetzen. Denis Scheck empfiehlt "Das Buch der Vögel" (Ullstein): Ornithologen sind seltsame Vögel, und doch erfreut sich das neudeutsch "Bird Watching" großer Beliebtheit – und das aus guten Gründen. Nirgendwo lässt sich Artensterben und Klimawandel genauer verfolgen. Wir werden Zeuge eines ungeheuren Verlusts: "In Nordamerika gibt es drei Milliarden Vögel weniger als vor einem halben Jahrhundert. In Europa fünfhundert Millionen weniger. Weltweit sind mehr als die Hälfte aller Vogelarten bedroht." Mit diesen Sätzen beginnt "Das Buch der Vögel" des englischen Dichters Robert Macfarlane und der Illustratorin Jackie Morris. Es dokumentiert einerseits diesen Verlust – alle der 49 darin porträtierten Vögel befinden sich auf der roten oder bernsteinfarbenen Liste der bedrohten Arten. Aber vor allem ist dieses genial illustrierte und von Daniela Seel ins Deutsche übersetzte Buch eine Augenweide und eine sprachmächtige Feier der Schöpfung. Außerdem in Druckfrisch: Denis Schecks erfrischend pointierte Revue der Spiegel-Bestsellerliste, diesmal Sachbuch.

Thema
  • Dörte Hansen – "Broder" (Penguin).
  • Dora Kaprálová – "Die Mariborhypnose" (mikrotext).
  • Denis Scheck empfiehlt "Das Buch der Vögel" (Ullstein).
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